Veröffentlicht am: 08.Juli
Eisen in Formulanahrungen
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Bioverfügbarkeit, Resorption und Auswirkung auf den Stuhl — für Stillberater:innen, Hebammen und Fachpersonen, FeS®-Institut
Säuglingsanfangsnahrung wird in der EU mit Eisen angereichert (4–8 mg Fe/L laut ESPGHAN-Empfehlung; in den USA bis 12 mg Fe/L). Als Eisenquellen kommen verschiedene chemische Formen zum Einsatz. Eltern fragen häufig, warum ihr Säugling unter Formulanahrung grünen, manchmal stinkenden Stuhl hat. Die Antwort hängt eng mit der jeweiligen Eisenform und ihrer Resorptionsrate zusammen.
Vorab: „Eisensulfat” und „Eisen(II)-sulfat” sind dasselbe (FeSO₄). Reale Vergleichssubstanzen sind drei: FeSO₄, Eisenbisglycinat, Eisenlactat.
| Form | Bioverfügbarkeit Säugling | Anteil unverdaut im Kolon | Stuhlverfärbung |
|---|---|---|---|
| Eisen(II)-sulfat (FeSO₄) | 10–15 % (Referenz) | 85–90 % | grün/schwarz, häufig |
| Eisenbisglycinat | ~4× höher | gering | seltener, schwächer |
| Eisenlactat | keine Säuglingsdaten | unbekannt | unbekannt |
Eisen(II)-sulfat (FeSO₄)
Vollständig ionisches Salz; Aufnahme über den Divalent Metal Transporter 1 (DMT1) im Duodenum. Stark pH-abhängig — funktioniert optimal bei pH 5–6. Beim Säugling ist die Magensäureproduktion noch nicht voll ausgereift (pH ~3,6–5 in den ersten Lebenswochen), die Fe²⁺-Löslichkeit damit reduziert. Nur 10–15 % werden resorbiert; 85–90 % gelangen unverdaut ins Kolon.
Eisenbisglycinat
Fe²⁺ ist an zwei Glycin-Moleküle chelatiert — die Aminosäure-Hülle schirmt das Eisen ab und hält es pH-unabhängiger in Lösung, auch im weniger sauren Säuglingsmagen. Aufnahme primär ebenfalls über DMT1, sekundär über Zip14. Bei Frühgeborenen war 0,75 mg/kg/Tag hämatologisch äquivalent zu 3 mg/kg/Tag FeSO₄ — entspricht ca. 4-fach höherer relativer Bioverfügbarkeit. Entsprechend weniger nicht resorbiertes Eisen im Kolon.
Eisenlactat
Fe²⁺-Salz der Milchsäure; dissoziiert ähnlich wie FeSO₄, das Lactat-Anion könnte Fe²⁺ etwas länger in Lösung halten. Vollständige Datenlücke für die Pädiatrie — keine publizierten Studien zu Bioverfügbarkeit oder Resorptionsrate bei Säuglingen oder Kindern.
Direkt belegt durch die randomisierte Studie Malacaman et al. 1985 an reifgeborenen Formula-Säuglingen:
| Formula | Eisengehalt | Primäre Stuhlfarbe |
|---|---|---|
| Molke-dominant + angereichert | 12 mg Fe/L | grün |
| Molke-dominant low-iron | 1,5 mg Fe/L | gelb |
| Kasein-dominant + angereichert | 12 mg Fe/L | überwiegend gelb/braun, viele auch grün |
Der Mechanismus ist zweistufig:
Beschleunigte Darmpassage: Eisenüberschuss wirkt leicht laxativ. Bilirubin/Biliverdin (grün) werden nicht ausreichend zu Stercobilin (braun-gelb) abgebaut → der Stuhl bleibt grün.
Eisensulfid-Bildung im Kolon: Nicht resorbiertes Fe²⁺ reagiert mit dem im Dickdarm gebildeten Schwefelwasserstoff (H₂S) zu Eisensulfid (FeS) — einer dunklen, grünlich-schwarzen Verbindung. Dieselbe Reaktion erklärt auch den charakteristisch fauligen Geruch.
Zusätzlich verändert nicht resorbiertes Eisen das Mikrobiom: Es fördert pathogene Enterobacteriaceae und hemmt protektive Bifido- und Laktobazillen — auch das beeinflusst Geruch und Konsistenz.
Bei identischem Eisengehalt (12 mg/L) zeigte die Malacaman-Studie deutliche Unterschiede:
Molke-dominante Formula → häufiger grüner Stuhl
Kasein-dominante Formula → eher gelb/braun, aber auch grüne Stühle möglich
HA-Nahrung (hydrolysiertes Eiweiß) → der Effekt verstärkt sich, weil voraufgespaltenes Eiweiß die Darmpassage zusätzlich verändert
Die Eisenform und der Eiweißtyp wirken also zusammen.
Welche Eisenform ist zugesetzt? Auf der Zutatenliste prüfen — die Form bestimmt Resorptionsrate und Stuhlverfärbung mehr als die Dosierung.
Gesamteisengehalt (mg Fe/L) — relevant ist die elementare Eisenmenge pro Liter Trinkfertignahrung, nicht die Menge des Eisensalzes.
Eiweißquelle (Molke vs. Kasein) und Hydrolysegrad — beeinflusst Stuhlfarbe und Geruch zusätzlich, unabhängig von der Eisenform.